Arbeitsstiefel – Schutz für Fuß und Knöchel im Gelände, auf der Baustelle und im Forst
Arbeitsstiefel schützen dort, wo flache Sicherheitsschuhe nicht ausreichen: Der höhere Schaft stabilisiert den Knöchel auf unebenem Untergrund, hält Schmutz und Nässe fern und bildet bei Forstarbeiten die notwendige Grundlage für Schnittschutzlagen nach EN ISO 17249 – der aktuell gültigen Norm für Schnittschutzstiefel (Schnittschutzkleidung: EN ISO 11393, Nachfolgerin der EN 381). Im Sortiment finden sich Modelle von Lowa, PFANNER®, Haix, Carhartt, Elten, U-Power, Sixton und weiteren Marken – für Einsatzbereiche vom Baustellenalltag bis zur Forstwirtschaft.
Was einen guten Arbeitsstiefel ausmacht
Der entscheidende Unterschied zu einfachem Schuhwerk liegt in den genormten Schutzfunktionen, dem Sohlenaufbau und den materialspezifischen Technologien. Welche Kombination sinnvoll ist, hängt vom tatsächlichen Einsatzbereich ab – und von der Gefährdungsbeurteilung, die laut ASchG (Österreich) und der PSA-Verordnung (PSA-V) dem Arbeitgeber obliegt. Die AUVA (Allgemeine Unfallversicherungsanstalt) stellt dazu Leitlinien bereit. In der Schweiz liegt die Verantwortung bei Suva und EKAS auf Grundlage der Verordnung über die Verhütung von Unfällen (VUV); in Deutschland regelt die PSA-Benutzungsverordnung (PSA-BV) zusammen mit den DGUV-Berufsgenossenschaften die Tragepflicht. Alle drei Länder setzen dabei die EU-PSA-Benutzer-Richtlinie 89/656/EWG um.
Sicherheitsklassen nach EN ISO 20345:2022
EN ISO 20345:2022 ist die gültige europäische Norm für Sicherheitsschuhe und gilt in Deutschland, Österreich und der Schweiz gleichermaßen. Sie definiert Grundanforderungen und darauf aufbauende Klassen:
- S1 – Zehenschutz, antistatisch, Energieaufnahme im Fersenbereich, geschlossene Fersenkappe
- S1P – wie S1, zusätzlich durchtrittsichere Zwischensohle
- S2 – wie S1, zusätzlich Wasserdurchdringungswiderstand
- S3 – wie S2, zusätzlich durchtrittsichere Sohle und profilierte Laufsohle
Zusatzkennzeichnungen ergänzen das Bild: SRC steht für geprüfte Rutschhemmung auf Fliesen und Stahl, HRO für Wärmebeständigkeit der Sohle, CI für Kälteisolierung. ESD bezeichnet elektrostatisch ableitende Eigenschaften – relevant überall dort, wo elektrostatische Entladungen Bauteile oder Personen gefährden können. Für Außenarbeiten auf unebenem Gelände ist S3 nach Gefährdungsbeurteilung häufig die zutreffende Wahl.
Membranen und Wasserschutz: Gore-Tex®, OutDry und DWR
Feuchtigkeitsschutz ist bei Arbeitsstiefeln kein Komfortmerkmal, sondern eine Voraussetzung für Tragetauglichkeit über einen langen Arbeitstag. Drei Systeme kommen im Sortiment vor:
Gore-Tex® ist eine wasserdichte, gleichzeitig atmungsaktive Membrantechnologie: Sie hält Feuchtigkeit von außen ab und lässt Schweißdampf nach innen entweichen. Gore-Tex® findet sich unter anderem in mehreren Lowa-Modellen dieser Kategorie. Beim Aufbau unterscheidet man 2-Lagen-Systeme (Außenmaterial plus Membran, Innenfutter separat) von 3-Lagen-Systemen, bei denen alle drei Lagen fest verbunden sind. 3-Lagen-Varianten sind in der Regel robuster, 2-Lagen-Modelle flexibler.
OutDry ist ein laminiertes Membransystem, bei dem die Membran direkt auf das Außenmaterial aufgebracht wird – das verhindert das Eindringen von Wasser auch an Nähten besonders effektiv. Sixton setzt dieses System bei einigen Modellen ein.
DWR (Durable Water Repellent) bezeichnet eine Imprägnierung der Außenlage, die Wasser abperlen lässt. Sie ergänzt eine Membran, ersetzt sie jedoch nicht.
Sohlenaufbau: PU, TPU, Gummi und Vibram
Die Zwischensohle aus PU (Polyurethan) dämpft Stöße und hält das Gewicht gering – ein weit verbreiteter Standard in Arbeitsstiefeln. Als Außensohle kommen TPU (Thermoplastisches Polyurethan), Gummi oder Vibram-Compounds zum Einsatz. Vibram ist ein Schweizer Sohlenentwickler, dessen Compounds für hohe Abriebfestigkeit und zuverlässigen Halt auf Fels, nassem Waldboden und wechselnden Untergründen bekannt sind. Wer täglich auf Bauschutt, nassem Waldboden oder Asphalt unterwegs ist, achtet beim Kauf gezielt auf den Sohlentyp.
Forststiefel und Schnittschutz nach EN ISO 17249
Forstliche Arbeiten stellen eigene Anforderungen: Schnittschutzstiefel müssen nach EN ISO 17249 geprüft sein – diese Norm legt fest, welchen Schutz Schuhwerk gegen Kettensägenkontakt bieten muss, und löst die zurückgezogene EN 381 ab. Je nach Arbeitsumgebung und nationalen Vorgaben kann das Tragen von Schnittschutzschuhen bei Motorsägenarbeiten erforderlich sein; die konkrete Pflicht ergibt sich aus der betrieblichen Gefährdungsbeurteilung. Im Sortiment stehen dafür unter anderem die PFANNER® Schnittschutzschuhe Säntis, der Haix Protector Forest 2.1 Schnittschutzstiefel, der Haix Trekker Mountain 2.0 Schnittschutzstiefel, die Haix Forstschuhe Protector Light 2.1, der Haix Schnittschutzstiefel Protector Ultra 2.0 GTX sowie der PFANNER® Tirol Juchten Forstschuhe zur Verfügung.
Welcher Stiefel für welchen Einsatz
| Einsatzbereich | Empfohlene Schutzklasse | Wichtige Zusatzmerkmale |
|---|---|---|
| Baustelle, Außenbereich | S3 (SRC) | Profilsohle, durchtrittsicher |
| Forst / Motorsäge | S3 + EN ISO 17249 | Schnittschutzlagen, hoher Schaft |
| Nasser Waldboden, Gelände | S3, Gore-Tex® oder OutDry | Membran, Profilsohle, Knöchelstabilität |
| Einsatzkräfte, schweres Gelände | S3 oder nach Anforderung | Robuste Außensohle, stabiler Schaft |
| Lager, Werkstatt (ESD-Bereich) | S3 ESD | Elektrostatisch ableitend |
| Wintereinsatz | S3 CI | Kälteisolierung, Membran |
Produktgruppen im Überblick
Sicherheitsstiefel für Baustelle und Außenbereich
Für den täglichen Einsatz auf Baustellen und im Außenbereich stehen mehrere S3-zertifizierte Modelle bereit. Der Lowa Renegade Work GTX Mid S3 und der Lowa LARROX Work GTX Mid S3 verbinden Gore-Tex®-Membran mit stabiler Sohle. Der Lowa Leandro Work LX Pro GTX Mid S3 ist ebenfalls mit Gore-Tex® ausgestattet. Der Haix Black Eagle Safety 54 MID und der Carhartt Detroit Rugged Flex S3 Work Boot brown ergänzen das Spektrum für handwerklich geprägte Einsätze. Der Carhartt Hamilton S3 wasserdichte Wedge Boot brown bietet zusätzlichen Wasserschutz durch seine Konstruktion. Der PFANNER® Nanoshield® 840 S3 rundet das Angebot für allgemeine Schutzanforderungen ab.
ESD-Sicherheitsstiefel
ESD-Sicherheitsschuhe leiten elektrostatische Ladungen kontrolliert ab und schützen so empfindliche Bauteile und Personen vor ungewollten Entladungen. Der Elten BENTE XXE GTX green Mid ESD S3 und der Elten RIWEMO XXP GTX black-red Mid ESD S3S WR CI Sicherheitsstiefel sind ESD-zertifiziert und Gore-Tex®-ausgestattet; das Elten-BIOMEX-System – eine Einlagen- und Fußbett-Technologie des Herstellers Elten – unterstützt zusätzlich die Fußgesundheit im Arbeitsalltag. BIOMEX ist ausschließlich eine Elten-Technologie.
Forstschuhe und Schnittschutzstiefel
Für forstliche Arbeiten mit Motorsäge stehen nach EN ISO 17249 geprüfte Modelle bereit: PFANNER® Schnittschutzschuhe Säntis, Haix Protector Forest 2.1 Schnittschutzstiefel, Haix Trekker Mountain 2.0 Schnittschutzstiefel, Haix Forstschuhe Protector Light 2.1, Haix Schnittschutzstiefel Protector Ultra 2.0 GTX sowie PFANNER® Tirol Juchten Forstschuhe. Der Haix Trekker Pro 2.0 ist als vielseitiger Geländestiefel für anspruchsvolles Terrain ausgelegt.
Einsatz- und Spezialstiefel
Für Einsatzkräfte und spezifische Anforderungen stehen der Haix XR1 Einsatzstiefel, der Haix AIRPOWER XR 810 | LTR GTX schwarz, der Haix AIRPOWER XR 810 | N GTX braun, der Haix Airpower XR3 Gore, der Haix Airpower XR26, der Haix Airpower XR26 schwarz sowie der Haix Airpower XR1 Lady zur Verfügung. Die U-Power knöchelhohen Sicherheitsschuhe S3 bieten eine breitere Variantenauswahl für unterschiedliche Einsatzprofile.
Größen im Sortiment
Die Arbeitsstiefel sind in den Schuhgrößen 35 (UK 3) bis 50 (UK 14,5) verfügbar, wobei nicht jedes Modell den gesamten Bereich abdeckt. Zwischengrößen wie 36,5, 39,5, 41,5, 42,5, 43,5 und 44,5 sind für ausgewählte Modelle erhältlich. Die genauen Verfügbarkeiten nach Größe sind in der Produktfilterung der jeweiligen Seite ersichtlich.
FAQ
Welchen Unterschied macht ein hoher Schaft gegenüber einem flachen Sicherheitsschuh?
Der höhere Schaft eines Arbeitsstiefels stabilisiert das Sprunggelenk auf unebenem Untergrund, reduziert das Umknickrisiko spürbar und schützt den Knöchelbereich vor eindringendem Schmutz, Nässe und mechanischen Einwirkungen. Für Forstarbeiten ist ein ausreichend hoher Schaft zudem Voraussetzung dafür, dass die Schnittschutzlagen nach EN ISO 17249 wirkungsvoll greifen können.
Muss ich als Arbeitgeber in Österreich Sicherheitsstiefel bereitstellen?
Die Pflicht zur Bereitstellung geeigneter PSA ergibt sich in Österreich aus dem ASchG (ArbeitnehmerInnenschutzgesetz) in Verbindung mit der PSA-Verordnung (PSA-V). Ob und welche Schutzklasse erforderlich ist, bestimmt die betriebliche Gefährdungsbeurteilung. Die AUVA stellt dazu branchenspezifische Leitlinien bereit. In der Schweiz gilt die Verordnung über die Verhütung von Unfällen (VUV) unter Aufsicht von Suva und EKAS.
Kann ich Arbeitsstiefel mit orthopädischen Einlagen ausstatten?
Orthopädische Einlagen oder Zurichtungen an Sicherheitsschuhen sind nur dann zulässig, wenn der Schuh dafür durch seine Baumusterprüfung freigegeben ist und die Anpassung durch einen zertifizierten Fachbetrieb erfolgt – gemäß DGUV Regel 112-191. Eine eigenmächtige Zurichtung kann die Schutzfunktion des Schuhs beeinträchtigen und den Versicherungsschutz gefährden.
Autor: Michael Korinek, Sales ManagementZuletzt aktualisiert: 7. Oktober 2026


































